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Hans-Jürgen Sundermann wird 75 :: DFB

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Heute wird er 75 und wenn sein Arzt Recht hat, dann kommen noch viele runde Geburtstage hinzu. "Ich habe letztens eine Test gemacht und der Arzt hat gesagt, dass ich 135 Jahre alt werde", bekannte Hans-Jürgen Sundermann gegenüber den Stuttgarter Nachrichten. Er sei ja nie krank gewesen im Leben, "keine Grippe, nix. Das kommt daher dass ich aus dem Kohlenpott komme. Da wirst Du abgehärtet."

Wieder so ein Wunder. Hans-Jürgen Sundermann hat einen Namen, der Journalisten zu Wortspielen reizt, weshalb er sich "manchmal einen anderen gewünscht" hat. Sundermann gleich Wundermann, auf diese einfache Formel brachten es Boulevard-Presse und Fans in den Siebzigern, als der in Mülheim an der Ruhr geborene einmalige Nationalspieler von RW Oberhausen (1960 gegen Chile) im Schwabenland seine Wahl-Heimat gefunden hatte und den VfB Stuttgart 1977 in die Bundesliga zurück brachte. Mit seinen ureigensten Methoden – er war ein großer Motivator. "Wenn hier einer im Raum ist, der nicht an den Aufstieg glaubt, der soll gleich raus gehen", sagte er in seiner ersten Besprechung im Sommer 1976. Das kam an bei den jungen Burschen, die den Betriebsunfall – 1975 war der VfB zum einzigen Mal aus der Bundesliga abgestiegen – im zweiten Anlauf reparieren sollten. Ihre Namen kannte schon bald ganz Deutschland: Hansi Müller, Karl-Heinz Förster, Walter Kelsch, Bernd Martin, Helmut Roleder. Alle wurden sie unter Sundermann Nationalspieler, Müller schaffte es gleich im ersten Bundesliga-Jahr zum WM-Teilnehmer in Argentinien. Und der Aufsteiger stürmte mit seinem Hurra-Stil direkt in den UEFA-Cup, während die doch so sparsamen Schwaben alle zwei Wochen ins Neckar-Stadion stürmten. Nie hatte der VfB so viele Zuschauer wie 1977/78 – stolze 53.186. Der Rekord hielt bis 2012. Im Jahr darauf spielte die "Wundermann-Elf" bis zum 33. Spieltag um den Titel mit, dann versagten im Heimspiel gegen den 1. FC Köln (1:4) die Nerven. Aber auch der zweite Platz war aller Ehren wert.

Und dann passierte etwas "was keiner verstehen konnte", erinnerte sich Karl-Heinz Förster. Hans-Jürgen Sundermann ging in die Schweiz zurück, wo er als Spieler seine Karriere in Genf und Basel beendet und als Trainer begonnen hatte (1972 – 76 bei Servette Genf). Immerhin zwei Mal hatte er Genf in den Europapokal geführt. Nun zog es ihn nach Zürich zu den Grashopper, aber schon nach einem halben Jahr bereute er es: er bemängelte "den geringen Stellenwert, den der Fußball in der Schweiz hat. Am schlimmsten war für mich die räumliche Nähe zur deutschen Grenze. Woche für Woche sah ich im Fernsehen die Bundesligaspiele, diesen Kampf, diese Spannung, die Atmosphäre und Woche für Woche ist mir aufgegangen, dass mir etwas ganz wichtiges fehlte", vertraute er dem Kicker im April 1980 an. Er sei "bundesligasüchtig". Es mangelte nicht an Angeboten.

Eintracht Frankfurt und Hertha BSC konnten ihm nicht bieten, was der VfB bot – nicht nur finanziell – und so zog er mit Frau Monika und den beiden Söhnen wieder zurück nach Leonberg. Für den Kicker war er nun "Der Mann, der sich selbst überholen muss". Das klappte nicht so ganz, einem dritten Platz 1981 folgte ein enttäuschender 9. Platz 1982, trotz hochkarätiger Verstärkungen. Am 11. März 1982 erschien der Kicker mit der Schlagzeile: "Sundermann: In Stuttgart hält mich nichts mehr!". Und so gingen gingen Sundermann und der VfB am Saisonende ein zweites Mal auseinander, die Freundschaft zu Präsident Gerhard Mayer-Vorfelder und das Verhältnis zu den VfB-Fans litt, weil er ausgerechnet zu Lokal-Rivale Kickers in die 2. Liga ging. Wieder so ein komischer Wechsel. Er blieb nur ein halbes Jahr, versuchte dann vergeblich Schalke vorm Bundesliga-Abstieg zu retten. Es folgten drei Jahre im Ausland (Racing Straßburg und Trabzonspor), ehe er im April 1986 bei Hertha BSC einstieg. Da, wo er 1964/65 in der Bundesliga debütierte (29 Spiele), lernte er nun die 3. Liga (damals Oberliga) kennen. Auf dem Tiefpunkt brauchte Hertha einen "Wundermann", aber ihm glückte die Rückkehr in die 2. Liga nicht. Nach der Entlassung im Oktober 1988 ging er wieder in die Türkei (Malataysapor), ehe er im Februar 1990 in Unterhaching anheuerte. Wieder endete die Saison mit dem Abstieg – aus der 2. Liga. Das Wundermann-Image bedurfte einer Politur und sie kam mit der Wiedervereinigung. Im Mai 1991 stieg er beim VfB Leipzig ein, den er 1993 in die Bundesliga führte. Dumm nur, dass er vorher wieder einen Wechsel, den keiner verstand, beschlossen hatte. Er ging zu Liga-Konkurrent Waldhof Mannheim. Als beide Klubs am vorletzten Spieltag aufeinandertrafen und noch um den Aufstieg spielten, wollten ihn die Leipziger für diese Partie freistellen, aber Sundermann beschwor: "Wer mir unterstellt, ich bringe nicht 100 Prozent, greift mich in meiner Trainer-Ehre an." Nach dem 0:0 stieg der VfB dann ohne ihn auf. In Mannheim blieb der Wandervogel aber nur zehn Spiele, von denen er nur eines gewann. Trennung.

So war er in der Rückrunde 1994 frei, als die Leipziger in Abstiegs-Not wieder einen Wundermann brauchten. Doch er konnte sie nicht retten. Trotzdem war sein Image unbeschädigt. Und so kam er im April 1995 ein drittes Mal zum VfB Stuttgart, der nach dem Rauswurf von Jürgen Röber die Saison mit Anstand zu Ende bringen wollte. Sundermann tat dem VfB diesen Liebes-Dienst. Nach Stationen bei TeBe Berlin, CS Sfax (Tunesien) und Vorwärts Steyr beendete er 1999 seine Trainer-Karriere. Doch keine seiner 18 Stationen in sechs Ländern ist so präsent wie der Anfang in Stuttgart, als er zum Wundermann wurde. Dem VfB dient er noch heute als Scout, die Spiele verfolgt er im Stadion und aktuell macht er sich "unheimliche Sorgen um den Verein".

Auf sein Leben blickt er voller Zufriedenheit zurück: "Meine Frau ist gesund, ich bin gesund, meinen Kindern geht’s gut. Ich hatte so ein wunderbares Leben, so viel Glück gibt es gar nicht."

Authors: DFB

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