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Teamcheck Fürth: Kramer und die Geister, die man rief

Foto: Sportfoto-Zink

Der Versuch, es zu kopieren, ist allgegenwärtig. "Es" ist das Derby. Und Nürnberg gegen Fürth ist nun einmal das Derby. Zumindest in Fußball-Deutschland ist es das Original, da muss sich selbst Schalke gegen Dortmund hinten anstellen, gar nicht zu reden von irgendwelchen Süd-, West- oder Sachsen-Derbys. Bewegt von diesem nostalgischen Aspekt sagen wir an dieser Stelle laut und deutlich: Das Derby findet zwar am richtigen Ort statt, aber unter falschen Voraussetzungen und damit zur falschen Zeit.

Das Derby gehört gefühlsmäßig in Liga 1 – und nirgendwo anders hin. Punkt. Und wäre die vergangene Saison nur einigermaßen normal verlaufen, dann würde die Partie am Samstag auch um 15.30 Uhr beginnen. Doch der Club stand am Ende unter dem berüchtigten Tabellenstrich. Und selbst in dem Wissen, dass dies wohl der eine oder andere Cluberer ein wenig anders sieht: Unstrittig ist, dass neben dem 1. FCN eigentlich auch die SpVgg die fränkische Fahne in dieser Saison in der Bundesliga hätte hochhalten können.

Rückkehr ins Fußball-Oberhaus knapp verpasst

In der Aufstiegsrelegation hatten die Fürther den HSV schon an den Abstiegsabgrund geschoben, dann aber vor allem in Hamburg vergessen, dem Bundesliga-Dino diesen letzten kleinen, aber entscheidenden Schubser zu geben. Wegen eines zu wenig geschossenen Auswärtstores klappte es am Ende nicht mit der Rückkehr in Liga 1, Fußball ist nun mal nicht immer gerecht. 

Und so darf sich der HSV heute ungeachtet seiner Investitionen im Sommer in der Bundesliga weiter am Abstiegskampf probieren, während es der SpVgg eine Etage tiefer nicht gelang, mit dem Aufstiegskampf weiterzumachen. Sie steckt eher im dichten Verkehr des Tabellenmittelfelds fest, was allerdings nicht weiter verwunderlich ist. Nach Rang 3 in der Vorsaison, der an sich übrigens schon eine kleine Sensation war, und dem anschließendem Pech in der Relegation pflegte Präsident Helmut Hack schließlich etwas, was nach jeder Saison in Fürth so sicher stattfindet wie der Christkindlmarkt in Nürnberg in der Vorweihnachtszeit: Er generierte Transfererlöse.

Leistungsträger wurden verkauft

Bedeutet konkret: Die SpVgg hat im Sommer wie fast immer die besten Leute an die Konkurrenz verloren, stand - und tut dies immer noch – inmitten eines Neuaufbaus. Dass ein solcher Substanzverlust nicht immer eins-zu-eins kompensiert werden kann, versteht sich fast von selbst. Zumal auch Helmut Hack erst kürzlich betonte, dass er selbst die SpVgg-Tradition des sommerlichen Stühlerückens nur ungern pflegt. "Immer wieder Leistungsträger verkaufen, das macht man eigentlich nicht", sagte er in dem Wissen, dass dieser Weg für die SpVgg uneigentlich alternativlos los ist.

Frei von Schulden zu sein wie auch zu bleiben und gleichzeitig stetig in die Infrastruktur, sprich allen voran den Trainingsbedingungen für die Fürther Mannschaften, investieren zu können, ist die oberste Maxime jedweden Handelns bei der SpVgg. Und eines muss man unserem Nachbarn neidlos zugestehen: Diesen schwierigen Spagat meistert er seit 1997, dem Aufstieg in Liga 2, blendend.

Die Erwartungshaltung ist gestiegen

Dies gilt übrigens auch für die laufende Spielzeit. Was die Elf von Trainer Frank Kramer an einem guten Tag zu leisten imstande ist, hat der Club ja Anfang August beim Hinspiel in Fürth auf höchst schmerzhafte Art und Weise erfahren müssen. Jener Derby-Sieg wie auch das starke Abschneiden in der Vorsaison hat für den Trainer allerdings getreu der Devise "die Geister, die ich rief" auch einen Pferdefuß: Die Messlatte liegt mitunter hoch in Fürth. Glaubt man dem Gros der Zweitliga-Insider, dann spielt die SpVgg gemessen an ihrem Aderlass im Sommer und der individuellen Kadergüte der Konkurrenz bislang eine absolut ordentliche Saison.

In Nürnbergs Westen teilen einige, verwöhnt von alten Erfolgen, jene Meinung nicht. Siehe unlängst die Heimpartie gegen RB Leipzig: Die Kramer-Elf war unterm Strich die bessere Mannschaft, hatte auch mehr gute Einschussgelegenheiten und schlug sich somit eingedenk des unterschiedlichen Potenzials beider Vereine höchst wacker. Einige jedoch schenkten diesem Umstand keine große Beachtung, sie störten sich in erster Linie an der 0:1-Niederlage. Kurzum: In und um Fürth herum sind hier und da die Erwartungen für das Derby gewiss nicht gering. Was das für den Club bedeutet? Nichts, gewinnen, abhaken – und in Folge seinen Part dafür zu erfüllen, dass das Derby bald wieder auf standesgemäßer Bühne stattfindet.

 

Authors: 1. FC Nürnberg

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